Was bedeutet und woher kommt „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen“?

Eine Treppe als Ausgang. Symbolbild für die Erklärung der Redensart Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen.

Der Spruch „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen“ gehört heute nicht mehr zu den häufigsten Redensarten, wird aber manchmal noch verwendet. Was bedeutet sie und woher kommt sie?

Die Redensart bedeutet, dass jemand seinen Zweck erfüllt hat und nun nicht mehr gebraucht wird. Die Person wurde also ausgenutzt und anschließend herabgewürdigt.

Die Redensart stammt aus einem Werk von Friedrich Schiller: In Die Verschwörung des Fiesco zu Genua gehört eine dunkelhäutige Person zu den wichtigen Protagonisten.

Früher war das Wort „Mohr“ ein gewöhnlicher Begriff für dunkelhäutige Menschen. Heute ist es eher negativ belegt und wird selten benutzt.


Hier findest du einige Bonus-Informationen zum Sprichwort:

Das Stück Die Verschwörung des Fiesco zu Genua gehört zu den früheren Werken von Friedrich Schiller: Es ist nach Die Räuber sein zweites vollendetes Drama und wurde 1783 am Bonner Hoftheater uraufgeführt. Inhaltlich orientiert sich die Handlung an der tatsächlich stattgefundenen Verschwörung des genuesischen Politikers Giovanni Luigi de Fieschi gegen den genuesischen Machthaber Andrea Doria. Im Drama soll der Mohr Muley Hassan eigentlich einen Mord ausführen. Er verrät den Plan jedoch und hilft der Gegenseite.

ABER: Der Spruch „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen“ wird falsch zitiert. Friedrich Schiller hat diesen Satz in seinem Werk so nie geschrieben. Stattdessen verwendet der berühmte Schriftsteller das Wort „Arbeit“ statt „Schuldigkeit“. Setzt man dieses Wort in die Redensart ein, entsteht ein ganz anderer Sinn: Eine Person wurde nun nicht mehr schamlos ausgenutzt, sondern verlangt bzw. erhält lediglich den Lohn für einen abgeschlossenen Auftrag.

Die Ausführungen, Überlegungen und Belege dazu kann man bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und beim Projekt falschzitate.blogsport.com nachlesen.

Es handelt sich bei dem Sprichwort „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen“ also um einen Spruch, der in dieser Form ursprünglich gar nicht existierte. Warum sich in der Redewendung der Begriff „Arbeit“ in „Schuld“ veränderte, ist heute nur noch schwer festzustellen. Vielleicht liegt es daran, dass der Protagonist moralisch fragwürdige Aufträge erledigt, etwa Spitzeldienste. Dies verbinden viele Menschen wahrscheinlich eher mit Schuld statt mit ehrlicher Arbeit. Und so hat sich letztlich die Sprichwort-Variante mit der Schuldigkeit durchgesetzt.

Sebastian

Ich bin der Mensch hinter 100WÖRTER. Beruflich mache ich ein bisschen was mit Schreiben, ein bisschen was mit Internet und ein bisschen was mit Organisation. Und irgendwann hatte ich keine Lust mehr auf lange Texte im Internet. Deshalb habe ich 100WÖRTER gegründet und schreibe kurze Texte.

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2 Antworten

  1. Psul sagt:

    Ein bisschen überbewertet, oder? :-;
    Etwas vom hohen Roß runter, ist auch ein Versuch

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